In Großbritannien steht die Labour Party unter Premierminister James Callaghan an der Macht, während die konservative Partei unter Margaret Thatcher zunehmend an Einfluss gewinnt.
Das Land befindet sich allgemein in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Inflation und Streiks prägen das öffentliche Leben. Besonders in den letzten Monaten des Jahres spürt die Bevölkerung die angespannte Lage deutlich, denn Beschäftigte im öffentlichen Dienst legen ihre Arbeit nieder, weil die Löhne nicht mehr zum Leben reichen. Der Winter 1978 geht deshalb als der „Winter of Discontent“ (auf Deutsch „Winter der Unzufriedenheit“) in die Geschichte ein. Die Wut der Menschen richtet sich vor allem gegen die Regierung. Viele hoffen auf einen politischen Wandel, der endlich bessere Lebensbedingungen bringt.
Auch in Nordirland verschärft sich die Lage weiter. Die Gewalt zwischen Katholik:innen und Protestant:innen eskaliert, und es kommt vermehrt zu Terroranschlägen der IRA, die das Land in Angst versetzen.
Gleichzeitig beginnt sich die Gesellschaft zu wandeln. Immer mehr Menschen stellen sich offen gegen starre Strukturen und alte Machtverhältnisse. Gewerkschaften werden stärker, der Feminismus gewinnt an Bedeutung und auch Antirassismus- sowie LGBTQIA+-Bewegungen treten sichtbarer hervor. Großbritannien befindet sich im Umbruch und wünscht sich Veränderung.
Die britische Wirtschaft steckt 1978 in der Krise. Arbeitslosigkeit, Inflation und Energieprobleme machen dem Land zu schaffen und auch der anhaltende Nordirlandkonflikt bestimmt die Schlagzeilen der Presse.
Viele Menschen spüren die Folgen dieser schwierigen Zeit im Alltag. Das Geld ist knapp, denn die Preise steigen, während die Löhne stagnieren. Familien müssen sparen, wo sie können. Statt neue Kleidung zu kaufen, wird gebraucht oder selbstgenäht. Flohmärkte und Second-Hand-Läden sind aus diesem Grund gut besucht und werden für viele zur Anlaufstelle.
Auch auf den Straßen zeigt sich Großbritannien von seiner bescheidenen Seite. In London sind vor allem kleine, schlichte Autos unterwegs. Modelle wie der Austin Allegro, der Morris Marina oder der Mini prägen das Bild.
Im Jahr 1978 wird die Musikszene von Punk, Disco und den ersten Klängen des aufkommenden New Wave bestimmt. Musik ist allgegenwärtig, egal ob aus Radios, Plattenspielern und Kassettenrekordern. Sie spielt in Wohnungen, auf Straßen und in Pubs und ist vor allem bei Jugendlichen besonders beliebt. Die Musik prägt den Stil, das Lebensgefühl und oft auch den Protestgeist einer ganzen Generation.
Einige der beliebtesten Songs des Jahres:
Im Jahr 1978 zieht das Kino viele Menschen in seinen Bann. Die großen Leinwände zeigen Filme wie „Grease“ mit John Travolta und Olivia Newton-John und „Saturday Night Fever“, die den Disco-Wahn noch weiter anheizen. Auch „Star Wars“ begeistert weiterhin die Zuschauer:innen. Gegen Ende des Jahres startet „Superman“ in den britischen Kinos und bringt mit seinen spektakulären Effekten den ersten echten Comic-Helden auf die Leinwand.
Zuhause spielt sich das Leben dagegen vor dem Fernseher ab, sofern man überhaupt einen hat. In Großbritannien gibt es nur drei Sender: BBC1, BBC2 und ITV. Das Farbfernsehen verbreitet sich langsam, ist 1978 aber noch ein Luxus, den sich nicht jede Familie leisten kann. Zu den beliebtesten Serien zählten damals „Doctor Who“, „Fawlty Towers“ oder die beliebte Unterhaltungssendung „The Morecambe & Wise Show“. Damals versammelte man sich noch vor den Fernsehen, um die Shows live zu verfolgen. Videorekorder kommen zwar zu dem Zeitpunkt auf den Markt, sind aber sehr teuer und für viele nicht erschwinglich.
In London ist die Mode im Jahr 1978 genauso bunt und abwechslungsreich wie die Musik. Der Punk-Stil ist noch überall zu sehen und zeigt sich in zerrissenen Jeans, Lederjacken, Sicherheitsnadeln und bunt gefärbten Haaren.
Gleichzeitig bringt der Disco-Trend Glanz in den Alltag. Schillernde Stoffe, weite Schlaghosen, bunte Hemden, Glitzer und Plateauschuhe bestimmen das Bild in Clubs und auf den Straßen.