Selkies sind Wechselwesen, die sowohl im Meer, als auch an Land leben können. Im Meer erscheinen sie als Robben. Sie leben nahe der Küsten und sehen als Tier wie hiesige Robbenarten aus. Sie unterscheiden sich also nicht von ihren tierischen Gegenstücken. An den Küsten der britischen Insel findet man vorwiegend Kegelrobben und Seehunde, sodass Selkies diese Form annehmen. Aber je nach Lebensraum gleichen sie sich an. Selkies besitzen dabei keine klassische Magie im Sinne von zaubernden Personen.
An Land können sie ihre Robbenhaut ablegen und so zum Menschen werden. Meist sind sie sehr schön, haben weiche Züge und dunkle Augen, die an die Tiefen des Ozeans erinnern. Wenn sie an Land gehen, verstecken sie ihr Fell zwischen den Felsen oder in nahen Meereshöhlen. Verlieren sie ihr Fell oder wird es gestohlen, sind Selkies gezwungen ein Leben als Mensch zu fristen.
Ein Selkiefell ist nicht nur viel auf dem Schwarzmarkt wert, es sorgt auch dafür, dass die friedliebenden Selkies an den Besitzer gebunden werden. Außerdem stellen abgefüllte Tränen von einer Selkie für einige Tränke eine unverzichtbare Zutaten dar. Der Handel kann nicht nur gewinnbringend für die Selkie selbst sein, sondern auch überaus gefährlich. Da es zaubernde Personen gibt, die gezielt nach Verkäufer:innen von Selkietränen ausschau halten, um dann an die Quelle zu gelangen. Sodass eine regelrecht Jagd auf die Selkie dahinter gemacht wird, um eine dauerhafte Geldquelle zu haben. Der Reiz, ein Fell zu finden und damit eine Selkie an sich zu binden, ist also noch einmal größer, wenn einem dieser Umstand bekannt ist. Wenn eine Selkie jedoch ihr Fell wiederfindet oder wiederbekommt, kehrt sie sofort ins Meer zurück, selbst wenn sie Kinder oder eine Familie an Land hat.
Selkies leben in sogenannten Familienclans. Ihre Strukturen sind durch ein Matriarchat geprägt. Selkie-Frauen spielen eine entscheidende und zentrale Rolle, wobei die sogenannte Schamanin, oft die älteste und weise Selkie, den Platz eines Häuptlings einnimmt. Sie sollen eine direkte Verbindung zur Mondgöttin haben, an die die Selkies glauben, wodurch sie große Entscheidungen treffen dürfen. Im Allgemeinen entscheiden die weiblichen erwachsenen Familienmitglieder jedoch als Gemeinschaft und demokratisch, was das Beste für ihren Clan ist.
Selkie-Männer hingegen sind selten und werden oft nur zur Fortpflanzung in Familienclans geduldet. Sobald die Paarungszeit vorbei ist, ziehen die Männer weiter und suchen nach anderen Clans, um ihre Gene weiterzutragen. Selkie-Männer sind oft Einzelgänger und halten es auch, ab ihrer Volljährigkeit, kaum bei ihren ursprünglichen Familien aus. Es zieht sie regelrecht hinaus in die Welt, wobei sie selten zurück zu ihrem Ursprung-Clan kehren.
Selkies richten ihre Lebensweise an den Mondphasen aus und damit auch an Ebbe und Flut. Das Meer ist ihr Zuhause und sie fühlen sich stark mit ihm verbunden. Wenn Selkies zu lange von einem Ozean fernbleiben, werden sie zunehmend melancholischer, was nicht selten in Suizid endet. Sie brauchen das Wasser also, um nicht mental instabil zu werden, weswegen viele Selkies nahe der Küste leben, sodass sie jederzeit zumindest im Meer baden können, um ihre gereizten Sinne zu beruhigen.
Als Robben essen sie überwiegend Fisch und kleinere Meerestiere. Sie haben natürliche Fressfeinde, wie ihre tierischen Gegenstücke und ihre Lebensräume sind zunehmend von den Menschen bedroht. Wasserverschmutzung, Lärmbelästigung und Überfischung geht auch nicht spurlos an den Wechselwesen vorbei, weswegen sie alle zehn Jahre eine auserwählte Selkie aus ihren Reihen bestimmen, um sich mit den neuen Gefahren der menschlichen Welt zu befassen.
Diese Ausgewählten werden von der Schamanin bereits nach ihrer Geburt ausgewählt und ihr gesamtes Leben auf das Leben an Land vorbereitet. Sobald sie ihre Volljährigkeit erreicht haben, ist es ihre Pflicht, ihr Fell an das Oberhaupt ihres Familienclans abzugeben und den Rest ihres Lebens an Land zu verbringen. Die ausgewählte Selkie kommt jedoch regelmäßig zurück zu ihrer Familie, um von den neuen Gefahren der Welt zu berichten und ihre Familie so zu schützen. Es gilt unter den Selkies als große Ehre, eine Tochter für diese Aufgabe abzugeben und damit den gesamten Clan beschützen zu dürfen.
Jedoch ziehen auch andere Selkies mit der Volljährigkeit los, um über Land an eine andere Küste zu gelangen, um den Genpool des Clans zu erweitern. Diese Selkies bleiben ein Jahr und einen Tag auf ihrer Wanderschaft, bevor sie oft schwanger wieder zu ihrem Familienclan zurückkehren. Dabei hilft es ihnen, dass sie überaus schnell Sprachen lernen. Jedoch kann es auch passieren, dass manche Selkies sich einem anderen Clans anschließen oder sich für ein Leben an Land entscheiden.
Selkies sind besonders friedliebende und empathische Geschöpfe. Sie empfinden einen starken Weltschmerz und neigen dazu, sich für andere Lebewesen aufzuopfern. Sie sind stark naturverbunden und ihnen liegt Gewalt vollkommen fern. Wenn sie sich für ein Leben an Land entscheiden, leben sie oft vegetarisch oder vegan. Manche Selkies essen jedoch weiterhin Meerestiere, wie Fische.